Auf dem Bau, im Lager, in der Logistik oder im Winterdienst: Für Millionen Beschäftigte geht die Arbeit auch bei Frost und Nässe draußen weiter. Kälte ist dabei kein reines Komfortproblem – sie senkt die Konzentration, verlangsamt die Reaktion und erhöht das Unfallrisiko. Was viele nicht wissen: Der Arbeitsschutz macht klare Vorgaben, und die richtige Ausrüstung ist keine Frage des guten Willens, sondern der Sicherheit.
Was der Arbeitgeber leisten muss
Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 nennt für Arbeitsräume Mindesttemperaturen – bei leichter, sitzender Tätigkeit etwa 20 Grad, bei schwerer körperlicher Arbeit mindestens 12 Grad. Für Arbeiten im Freien gilt: Der Arbeitgeber muss bei Kältebelastung geeignete Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören Aufwärmzeiten, beheizbare Pausenräume oder -container, warme Getränke und – ganz zentral – die Bereitstellung geeigneter Kälteschutzkleidung als persönliche Schutzausrüstung. Diese PSA zahlt der Arbeitgeber, nicht der Beschäftigte. Bei extremer Witterung kann die Gefährdungsbeurteilung auch zusätzliche Pausen oder die Einstellung besonders gefährlicher Arbeiten vorschreiben.
| Tätigkeit (ASR A3.5, Arbeitsräume) | Mindesttemperatur |
|---|---|
| Leicht, sitzend | +20 °C |
| Leicht, stehend/gehend | +19 °C |
| Mittelschwer, sitzend | +19 °C |
| Mittelschwer, stehend/gehend | +17 °C |
| Schwere körperliche Arbeit | +12 °C |
Für Arbeiten im Freien gibt es keine feste „Hitzefrei“-Untergrenze wie bei Kälte, aber die Gefährdungsbeurteilung muss Schutzmaßnahmen festlegen.
Winter-PSA: das Lagenprinzip auf der Arbeit
- Basisschicht: Funktionsunterwäsche transportiert Schweiß nach außen. Wer stark schwitzt und dann auskühlt, friert am meisten – Baumwolle ist hier fehl am Platz.
- Isolationsschicht: Fleece oder wattierte Jacken halten die Körperwärme. Mehrere dünne Lagen sind flexibler als eine dicke.
- Wetterschutz: Die äußere Schicht muss wind- und wasserdicht sein. Für viele Tätigkeiten ist zusätzlich Warnschutz nach EN ISO 20471 vorgeschrieben – dann gibt es die Kälteschutzkleidung in Signalfarben.
- Hände, Füße, Kopf: Isolierende, aber griffsichere Handschuhe, gefütterte Sicherheitsschuhe mit rutschfester Sohle (Kälteschutz nach EN ISO 20345, Kennzeichnung CI) und eine Mütze unter dem Helm. Über die Extremitäten und den Kopf verliert der Körper die meiste Wärme.
Warnzeichen ernst nehmen
Taube, weiße Finger oder Zehen, unkontrolliertes Zittern, Konzentrationsprobleme: Das sind Warnsignale von Unterkühlung und beginnenden Erfrierungen. Wer sie bemerkt, gehört sofort in die Wärme. Nasse Kleidung wechseln, warme (nicht heiße) Getränke, betroffene Körperstellen langsam erwärmen – niemals reiben oder mit direkter Hitze. Der beste Schutz bleibt Vorbeugung: trocken bleiben, regelmäßig aufwärmen, ausreichend essen und trinken. Auch im Winter schwitzt und dehydriert der Körper.
Häufige Fragen (FAQ)
Wer zahlt die Kälteschutzkleidung?
Der Arbeitgeber. Vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung – dazu zählt Kälteschutz-PSA – muss er bereitstellen und bezahlen, nicht der Beschäftigte.
Gibt es „Kältefrei“ bei Arbeit im Freien?
Keine feste Temperaturgrenze, ab der automatisch Schluss ist. Aber der Arbeitgeber muss per Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen festlegen: Aufwärmzeiten, beheizte Pausenräume, PSA, ggf. das Einstellen besonders gefährlicher Arbeiten.
Was bedeutet die Kennzeichnung „CI“ bei Sicherheitsschuhen?
„CI“ steht nach EN ISO 20345 für Kälteisolierung der Sohle. Für Arbeit auf kaltem Untergrund sind CI-gekennzeichnete, gefütterte Sicherheitsschuhe die richtige Wahl.
Warum ist Baumwolle als Unterwäsche problematisch?
Baumwolle saugt Schweiß auf und bleibt nass – das kühlt den Körper stark aus. Funktionsunterwäsche leitet die Feuchtigkeit nach außen und hält dich trocken und warm.
Fazit: Kälte am Arbeitsplatz ist ein ernstes Sicherheitsthema mit klaren rechtlichen Vorgaben. Der Arbeitgeber stellt Kälteschutz-PSA und Aufwärmmöglichkeiten, die Beschäftigten schützen sich mit dem Lagenprinzip und achten auf Warnsignale. Wer seine Rechte kennt und die richtige Ausrüstung trägt, kommt gesund durch den Arbeitswinter.
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