Recht & Verkehr: Situative Winterreifenpflicht – warum „M+S“ allein nicht mehr reicht

Winterreifen eines Autos mit sichtbarem Profil auf verschneiter, glatter Straße

Am vergangenen Wochenende fiel in den Hochlagen der erste Schnee – der Startschuss für die Reifenfrage. In Deutschland gilt keine starre „Winterreifenpflicht nach Datum“, sondern eine situative. Wer sie und die neue Reifen-Kennzeichnung kennt, spart sich Bußgeld, Punkte und Ärger mit der Versicherung. Das Wichtigste kompakt.

Situativ heißt: Es zählt das Wetter, nicht der Kalender

Geregelt ist die Pflicht in § 2 Abs. 3a StVO. Danach sind Winterreifen vorgeschrieben bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte – unabhängig vom Datum. Es gibt also keine feste „von Oktober bis Ostern“-Regel; entscheidend ist die tatsächliche Wetterlage. Als Faustregel hat sich „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) eingebürgert, rechtlich maßgeblich bleibt aber allein die Straßenlage (Rechtsgrundlage: ADAC).

Neu seit Oktober 2024: nur noch das Alpine-Symbol zählt

Das ist der Punkt, der viele übersehen: Seit dem 1. Oktober 2024 gelten als Winterreifen im Sinne der StVO nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, „3PMSF“). Die alte Übergangsfrist für Reifen, die nur die Kennung „M+S“ tragen, ist am 30. September 2024 ausgelaufen. Ein reiner M+S-Reifen ohne Bergsymbol erfüllt bei winterlichen Verhältnissen die Pflicht also nicht mehr. Gut zu wissen: Bei trockener, schneefreier Straße dürfen intakte M+S-Reifen weiter gefahren werden – verboten ist nur ihr Einsatz bei winterlicher Glätte.

Das kostet Fahren ohne passende Reifen

SituationBußgeldPunkt
Fahren bei Glätte ohne Winterreifen60 €1
…mit Behinderung anderer80 €1
…mit Gefährdung100 €1
…mit Unfall120 €1
Halter, der die Fahrt zulässt75 €1

Dazu kommt ein oft teurerer Aspekt: Bei einem Unfall auf winterglatter Straße mit falscher Bereifung kann die Kaskoversicherung die Leistung kürzen und die Mitschuld steigen.

Was bedeutet das für dich?

  • Symbol prüfen: Schau an der Reifenflanke nach dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Steht dort nur „M+S“ ohne dieses Symbol, zählt der Reifen bei Glätte nicht mehr.
  • Profil checken: Gesetzlich sind 1,6 mm Minimum – Fachleute und der ADAC empfehlen bei Winterreifen aber mindestens 4 mm für sicheren Grip.
  • Ganzjahresreifen: Sind erlaubt, müssen aber ebenfalls das Alpine-Symbol tragen.
  • Jetzt handeln: Nach dem ersten Schnee füllen sich die Werkstätten. Wer den Termin früh macht, steht nicht bei Glätte noch auf Sommerreifen.

Fazit: Die Winterreifenpflicht richtet sich nach dem Wetter, nicht nach dem Kalender – und seit Oktober 2024 gilt bei Glätte nur noch der Reifen mit Alpine-Symbol. Ein kurzer Blick auf die Reifenflanke und das Profil erspart dir Bußgeld, Punkte und im Ernstfall Streit mit der Versicherung.

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