Studien-Check: Erhöht langes Sitzen wirklich das Sterberisiko um 60 %?

Person am Schreibtisch, die zwischendurch aufsteht und sich streckt – Bewegung gegen langes Sitzen

„Sitzen ist das neue Rauchen“ – diese Schlagzeile geistert seit Jahren durchs Netz. Jetzt sorgt eine neue Auswertung wieder für Aufsehen: Wer täglich mehr als sechs Stunden sitzt, soll ein deutlich höheres Sterberisiko haben. Wir schauen genau hin: Was hat die Studie gemessen, wie belastbar ist die Zahl – und was heißt das konkret für deinen Alltag?

Was die Studie zeigt

Eine spanische Untersuchung mit rund 31.000 Erwachsenen fand: Mehr als sechs Stunden Sitzen pro Tag gingen mit einem um etwa 60 % höheren relativen Sterberisiko einher – verglichen mit Menschen, die höchstens vier Stunden am Tag saßen. Besonders bemerkenswert: Langes Sitzen zeigte sich als eigenständiger Risikofaktor, auch bei Menschen, die regelmäßig Sport treiben. In der Forschung heißt dieses Phänomen „active couch potato“ – sportlich, aber den Rest des Tages überwiegend sitzend. Berichtet unter anderem von der Berliner Zeitung und ad-hoc-news.

Ehrlich eingeordnet: Vorsicht bei der 60 %

  • Beobachtungsstudie, kein Beweis: Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, keine bewiesene Ursache. Vielsitzer unterscheiden sich oft auch in anderen Punkten (Beruf, Vorerkrankungen, Lebensstil).
  • Relativ ist nicht absolut: „60 % mehr“ klingt dramatisch, meint aber das relative Risiko. Für den Einzelnen kann der absolute Zuwachs kleiner sein, als die Zahl vermuten lässt.
  • Selbstauskunft: Sitzzeiten werden meist abgefragt und dabei gern unterschätzt – das macht solche Werte unscharf.
  • Die Richtung stimmt trotzdem: Dass langes, ununterbrochenes Sitzen ungünstig ist, zeigen viele Studien übereinstimmend. Die grobe Botschaft ist solide, die exakte Prozentzahl nicht in Stein gemeißelt.

Was bedeutet das für dich?

  • Sitzen unterbrechen statt nur ausgleichen: Steh alle 30–60 Minuten kurz auf. Diese „Bewegungssnacks“ wirken zusätzlich zum Training, nicht nur als Ersatz.
  • Alltag umbauen: Telefonate im Stehen, Treppe statt Aufzug, ein kurzer Gang nach dem Essen – kleine Gewohnheiten summieren sich.
  • Trotzdem trainieren: Die Empfehlung bleibt: 150–300 Minuten moderate Bewegung pro Woche plus Kräftigung an zwei Tagen. Sport bleibt wichtig – ersetzt aber die Sitzpausen nicht.
  • Arbeitsplatz prüfen: Wer im Job viel sitzt, kann mit höhenverstellbarem Tisch oder bewusstem Stehen im Meeting gegensteuern.

Fazit: Die „60 %“ solltest du mit einer Prise Skepsis lesen – es ist eine Beobachtungsstudie mit relativem Risiko, keine Naturkonstante. Die praktische Lehre ist aber unstrittig und einfach: Bewegung schlägt Stillstand, und regelmäßiges Aufstehen kostet nichts. Wer sein Sitzen über den Tag verteilt aufbricht, tut mehr für seine Gesundheit als mit jeder Schlagzeile.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bist du ein Mensch? Bitte löse:Captcha