Dienstag ist Sporttag: Wir schauen auf das, was abseits von Ergebnissen und Transfers zählt – Prävention, Material und Regeln. Heute geht es um ein Thema, das im Amateur- wie im Profifußball unterschätzt wird: die Gehirnerschütterung. Neue Zahlen zeigen, dass weit mehr Spielerinnen und Spieler betroffen sind, als in den Statistiken auftaucht.
Die Zahl, die aufhorchen lässt
Laut einer Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) haben rund 30 Prozent der befragten Fußballer im organisierten Spielbetrieb mutmaßlich schon einmal eine Gehirnerschütterung erlitten – deutlich mehr, als offiziell dokumentiert ist. Fußball gehört damit zu den Sportarten mit dem höchsten Verletzungsrisiko. Das eigentliche Problem: Viele dieser Erschütterungen bleiben unerkannt und unbehandelt.
Warum so viele Fälle durchrutschen
Eine Gehirnerschütterung ist keine Frage der Bewusstlosigkeit – im Gegenteil: Die meisten Betroffenen bleiben wach. Symptome wie Kopfschmerz, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit oder Konzentrationsprobleme wirken harmlos und treten teils erst Minuten später auf. Dazu kommt die „Weiterspielen“-Kultur: Wer nach einem Kopfball-Duell kurz „durchgeschüttelt“ ist, beißt oft die Zähne zusammen. Genau das ist gefährlich, denn ein zweiter Schlag auf ein noch nicht erholtes Gehirn kann schwere Folgen haben.
Wie die Regeln stehen
Auf Regelebene gibt es eine wichtige Option: Das IFAB erlaubt Wettbewerben seit dem 1. Juli 2024 zusätzliche dauerhafte Auswechslungen bei Verdacht auf Gehirnerschütterung – je Team maximal eine pro Spiel, zusätzlich zu den normalen Wechseln. Der verletzte Spieler verlässt das Feld endgültig; das Motto lautet „Recognise and Remove“. Allerdings ist das eine Kann-Regel: Der DFB nutzt diese Möglichkeit bislang nicht. Im Zweifel entscheidet also der jeweilige Wettbewerb, wie gut du geschützt bist.
Was bedeutet das für dich?
Ob Kreisliga, Jugendteam oder Hobbykick – du bist selbst der wichtigste Schutz:
- Im Zweifel raus. Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung sofort vom Platz – nicht weiterspielen, auch wenn es „gleich wieder geht“. Am selben Tag keine Rückkehr aufs Feld.
- Ärztlich abklären und stufenweise zurückkehren („Return to Play“). Hilfsmittel wie die wissenschaftlich geprüfte GET-App (Gehirn-Erschütterungs-Test) unterstützen Trainer und Betreuer bei der ersten Einschätzung – ersetzen aber keinen Arzt.
- Vorbeugen mit Aufwärmen. Strukturierte Programme wie FIFA 11+ (Lauf-, Kraft-, Gleichgewichts- und Sprungübungen) senken laut Studien bis zu 30–50 % aller Verletzungen. Das schützt Bänder und Muskeln – und über bessere Körperkontrolle auch den Kopf. Quelle: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin.
- Kopfballtraining dosieren, gerade bei Kindern und Jugendlichen – weniger und technisch sauberer köpfen reduziert die Belastung.
Kurz gesagt: Eine Gehirnerschütterung ist kein „Wehwehchen“, das man wegatmet. Erkennen, runter vom Platz, abklären lassen – und mit gutem Aufwärmen vorbeugen. Diese drei Schritte kosten nichts und schützen das, was sich nicht reparieren lässt.
Stand: 21.07.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Kopfverletzung immer medizinisch abklären lassen.
Quellen: KFV – Kuratorium für Verkehrssicherheit; The IFAB (Concussion-Substitutions-Protokoll); Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin.
